Anmeldung


Uncategorised

01.05.2017

Hatten viele noch gedacht, die Vorgänge seit der Neuausrichtung seien nicht mehr zu überbieten, mussten sie sich gestern von der Ministerin eines Besseren belehren lassen: In der Sendung Berlin direkt! im ZDF sagte sie wörtlich:" Die Bundeswehr hat ein Haltungsproblem und sie hat offensichtlich eine Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen......" Auslöser der Äußerung war die Berichterstattung über Olt A, der nach meiner Kenntnis unter anderem wegen des Verdachts rechtsextremistischer Tatbestände in Untersuchungshaft genommen wurde.
Dieser Soldat soll nach Bericht von Spiegel Online bereits 2014 mit einer Masterarbeit aufgefallen sein, in der er völkisches Gedankengut offenbarte.

Es besteht große Einigkeit bei den Soldatinnen und Soldaten, dass für dieses Gedankengut kein Platz in der Bundeswehr ist. Die Soldatinnen und Soldaten sind sich des besonderen Treueverhältnisses zum Staat und ihres Status als Parlamentsarmee mehr als bewusst. Sie setzen ihr Leben in vielen Auslandseinsätzen tagtäglich ein. Sie haben es nicht verdient in der Öffentlichkeit durch die Ministerin unter den Generalverdacht gestellt zu werden, dass sie derartige Vorgänge tolerieren würden und somit ein Haltungsproblem hätten.
Diese Soldatinnen und Soldaten die fest auf dem Boden dieses Rechtsstaates stehen, haben Vertrauen in den Rechtsstaat und dessen Funktion. Gerade in Fällen, in denen der Rechtsstaat durch Einzelne bekämpft wird, oder sexuell motivierte Straftaten verübt werden, ist es erforderlich diesen Angriffen und Straftaten mit rechtstaatlichen Mitteln zu begegnen. Es wird ermittelt, angeklagt, verurteilt. Das gilt auch im Disziplinarrecht. Der Vorwurf an alle Soldatinnen und Soldaten, sie hätten ein Haltungsproblem, gehört jedenfalls nicht zu den rechtstaatlichen Mitteln und das sollte insbesondere eine Ministerin wissen, deren Handeln im Fokus des öffentlichen Interesses steht.

Es ist an der Zeit für über 178331 Entschuldigungen.

Und was die Ministerin hinsichtlich Führungsschwäche und Transparenz und schonungslose Aufklärung sagte, sollte man ruhig einmal anhand der Antworten des BMVg auf Anfragen von Politikern und Journalisten im Hinblick auf Ausrüstungs-,Ausstattungs-,Beschaffungsmängel, Mängel beim Personalbestand und Fehlerkultur auf Substanz prüfen.

Der Bundesvorsitzende

 

14.12.2016

Tiefpunkt, nicht Tiefstpunkt

Mit der Neuausrichtung 2010 sollten die der Weise-Kommission gegebenen Aufträge :
"Der Auftrag an die Kommission umfasste die Frage der bestmöglichen Nutzung der personellen und finanziellen Ressourcen sowie die konsequente Ausrichtung der Prozesse und Strukturen an den Erfordernissen des Einsatzes. Darüber hinaus sollte die Erhaltung der personellen Zukunftsfähigkeit der Bundeswehr betrachtet werden. Die Mitglieder der Kommission waren auch eingeladen, Vorschläge für die Anpassung gesetzlicher Rahmenbedingungen zu entwickeln. Zusätzlich hat das Bundeskabinett den Bundesminister der Verteidigung und die Strukturkommission am 7. Juni 2010 aufgefordert auszuloten, welche Auswirkungen eine Reduzierung der Streitkräfte um bis zu 40.000 Berufsund Zeitsoldaten auf die sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands, die Einsatzund Bündnisfähigkeit sowie auf Fragen der Beschaffung, die Strukturen und den Gesamtumfang einschließlich der Wehrform hätte. Zudem wurde die Kommission beauftragt, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie durch eine bessere Arbeitsteilung im Bündnis Einsparpotenziale gewonnen werden können."
Bericht der Strukturkommission Seite 21
erfüllt werden. Wir erinnern uns alle an die Forderung 15000 Soldatinnen und Soldaten gleichzeitig in Auslandseinsätzen zur Verfügung zu haben.

Nach nunmehr 5 Jahren Neuausrichtung mit Zurückrudern seitens der Ministerin im Bereich Personalumfang und Material ist es Zeit mit Blick auf die Fliegenden Waffensysteme für eine ernüchternde Bilanz:
Die Waffensysteme sind nicht in der erforderlichen Anzahl und dann auch noch mit einem nach wie vor erschreckend niedrigem Klarstand verfügbar.
So fehlen in einer degressiven Entwicklung seit 2011 bis heute allein im Heer über 20000 Flugstunden. Im Bereich der Luftwaffe verfügen die CH 53 durchschnittlich nur über 50% des erforderlichen Flugstundenvorrats. Die Schwierigkeiten mit dem Altgerät der Marine sind hier oft genug thematisiert worden.
Die Luftfahrzeugbesatzungen aller Teilstreitkräfte verfügen nicht über ausreichend Flugstunden zur Professionalisierung und schon gar nicht für die Regenerationsausbildung. Da wird das Heer wie üblich zu Entpflichtungen greifen und die beiden anderen TSK's mieten EC 135, die zwar zur Einsatzvorbereitung nicht taugen aber immerhin die Möglichkeit bieten, ein paar Flugstunden zum Erhalt der Lizenz zu absolvieren. Bei solchen Gelegenheiten wird auch gern die Möglichkeit erwogen beim Führungspersonal die Lizenz ruhend zu stellen, weil man damit ein paar Flugstunden gewinnen will. Sowohl die Entpflichtung von Besatzungen, wie auch von Führungspersonal ist jedoch ein völlig unzweckmäßige Reaktion. Wenn das fliegerische Führungspersonal keine fliegerische Erfahrung mehr erhält, dann werden schon unprofessionelle Entscheidungen auf Verbandsebene
getroffen werden. Es muss doch allen Beteiligten langsam deutlich werden, dass wir nicht zuviel Personal haben, sondern zu wenig Flugstunden. Anstatt sich mit einer grundlegenden Lösung dieser Frage auseinanderzusetzen, wird in den Stäben mit Hingabe daran gearbeitet den Mangel zu verwalten. Aber der Mangel wird nicht nur verwaltet, er wird vergrößert. Zur Dienstpostengewinnung werden tech-log Kapazitäten abgebaut, obwohl diese Fähigkeit nicht outgesourced werden kann, denn die Industrie ist ebenfalls schon am Limit. Die Bundeswehr verschleißt ihre Leistungsträger während die Ministerin von Attraktivität und Work-Life-Balance fabuliert. Vielleicht sollte sie einfach einmal eine empirische Untersuchung der Entwicklung psychosomatischer Erkrankungen über die letzten 5 Jahre in Auftrag geben. In der Defizitbeschreibung sind wir ja mittlerweile so etwas wie Weltmeister, da sollte so eine Untersuchung machbar sein.


In dieser Situation ist der bevorstehende MINUSMA Einsatz so etwas wie der Sargnagel der Regeneratinsfähigkeit. Oder auch der Versuch mit einer nur 13 Spieler umfassenden Lizenzspielerabteilung in der Bundesliga zu spielen.
Keines der geplanten Systeme hat die Einsatzreife erreicht, kaum eine der fliegenden Besatzungen hat die für eine Missionsqualifizierung erforderlichen Programme umfänglich geflogen und über lizensierte Simulatoren zum Ersatz für Realflugstunden verfügt die Bundeswehr nicht. Mangelverwendungen sind schon in der Personalstan nicht redundant ausgelegt, sodass sich die üblichen Vakanzen bei Prüfern, Flugsicherheitsoffizieren usw einstellen werden.
Die eingesetzten Verbände streben damit für 2018 einem weiteren Tiefpunkt entgegen. Dann werden wir vermutlich einen neuen Lösungsansatz erfahren: die 4. Entpflichtungswelle?

Ich denke es gibt im parlamentarischen Raum genügend Interesse an persönlichen Erfahrungsberichten. Man muss sie nur schreiben.

Der Bundesvorsitzende


03.07.2016

Zwischenbericht des AIBN vom 28.06.2016 zum Flugunfall mit H 225 in Norwegen

Nach dem schrecklichen Flugunfall mit einer H225 hat sich das AIBN (Accident Investigation Board Norway) auf drei Bereiche konzentriert: die Lift struts attachements, die main gear box und die conical housing. Als wahrscheinlichste Ursache für die Desintegration von Hauptrotorsystem und main gear box wird in dem Bericht ein Ermüdungsbruch in einem Planetenzahnrad der 2. Planetengetriebestufe genannt. Bis jetzt nicht ermittelt ist die Ursache des Ermüdungsbruchs. Einige Feststellungen des Berichtes verdienen jedoch Ausmerksamkeit:

1. Das Getriebe ist in einem Unfall bei einem Straßentransport 2015 verwickelt gewesen und hat dann nach Überholung und Prüfung Verwendung in der verunglückten Maschine gefunden und bis zum Unfall 260 Stunden geleistet.

2. Das Zahnrad ist oberflächengehärtet worden, um durch die dadurch erzeugte Druckspannung den Fortschritt von Rissen zu unterdrücken bzw zu Abplatzungen an der Oberfläche (Chip) zu führen, die durch die chip detection und das HUMS angezeigt werden können. Entgegen dieser Konstruktionsannahme ist weder ein Chip angezeigt worden noch eine HUMS Anzeige erfolgt.

3. Das AIBN stellt fest, dass es klare Ähnlichkeiten im Unfallgeschenen des Jahres 2009 (G-REDL) und dem LN-OJF Unfall diesen Jahres gibt.

Nach den bisherigen Feststellungen des AIBN handelt es sich damit um einen durch die Konstrukteure nicht berücksichtigten Verlauf eines Ermüdungsbruches, der entgegen der Annahme und darauf basierenden Materialbehandlung durch kein Sicherheitssystem angezeigt wurde.

Der Report kann im Original unter dem nachstehenden Link als PDF heruntergeladen werden:

http://www.aibn.no/Aviation/Investigations/16-286

Der Bundesvorsitzende

 

09.06.2016

"Bedingt Einsatzbereit" Doku auf 3Sat

Eine aus meiner Sicht gute Analyse der Hauptprobleme der Bundeswehr bot die heute von 3Sat präsentierte Dokumentation. Material, Finanzen und Personal wurden sachlich betrachtet und die Probleme verständlich erläutert. Natürlich sind solche Dokumentationen im Fernsehen weder umfassend noch in der von Experten gewünschten Tiefe darstellbar. Dazu reicht weder die Zeit, noch die Geduld der Zuschauer. Zu der Sendung sind aber zwei Anmerkungen angebracht:
Über die Wortbeiträge des MDB Kiesewetter konnte ich nur mit dem Kopf schütteln. Offensichtlich hat der Abgeordnete noch nicht realisiert, dass die Reform, die 2010 ausgerufen wurde, um die Bundeswehr als schlanke Einsatzarmee unter gleichzeitiger Ersparnis von 8,5 Mrd Euro zu gestalten, spätestens mit der von der Ministerin auf den Weg gebrachte "Trendwende Personal" endgültig verendet ist.

Nicht nur heimlich, sondern ganz offen habe ich mich darüber gefreut, dass ausgerechnet der Standort Rheine-Bentlage ( keine weiteren Anmerkungen dazu) als die militärische Heimat des leuchtenden Beispiels eines Soldaten mit Migrationshintergrund gezeigt wurde. Bilder aus der Halle 8 (Stellfläche 33x68m, Kran 8m -für alle CH 53 K Fans-)  Im täglichen Dienstbetrieb ist der Leutnant übrigens dort, wie alle anderen Soldatinnen und Soldaten - und wie auch in vielen anderen Standorten- aber kein Soldat mit Migrationshintergrund, sondern einfach ein Leutnant. Womit ein weiterer Vorteil der in der Bundeswehr benutzten Dienstgradbezeichnungen offensichtlich wird.

Der Bundesvorsitzende

 

© www.igth.de    |    designed by webdesign-gassner.de