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07.06.2016

Zielgruppentagung der Luftwaffe im DBwV und ILA 2016 (+ Nachtrag Fotos)

Vom 01.06. bis zum 03.06. fand in Berlin die Zielgruppentagung der Luftwaffe mit den Kooperationspartnern und einigen Fachleuten aus dem Bereich der fliegenden Waffensysteme statt. Am 2. Tag der Veranstaltung hatten die Teilnehmer die Gelegenheit die ILA 2016 zu besuchen. Nachstehend einige Eindrücke von der ILA mit Anmerkungen aus der Zielgruppentagung.

A400M

 

Die Probleme mit dem A400M konnten nicht verhindern, dass die Maschine im großen Bundeswehrbereich ausgestellt wurde. Schwierig gestaltete es sich, die Presse so zu leiten, dass beim Besuch der Ministerin kein Bild mit ihr und dem A400M geschossen werden konnte. Für die Besatzung sicherlich ein Highlight in ihrem Bundeswehrleben, denn wer kann schon von sich behaupten, bewusst von der Ministerin ignoriert worden zu sein. Ob überhaupt und wenn wie viele A400M von der Bundeswehr in diesem Jahr noch abgenommen werden können, ist unsicher. Die technischen Probleme führen sicherlich zu einer erheblichen Minderabnahme. Die Besatzung hätte der Minsiterin bestimmt gern von den Kameradinnen und Kameraden berichtet, die zwar ausgebildet sind, aber nun Simulator und Heron fliegen.

 

 

Lehrreich war das Gespräch mit dem Inspekteur der Luftwaffe. So erzählte er, dass man nicht etwa wegen der Zulaufzahlen und des technischen Zustandes des A400M ein weiteres, kleineres Muster bräuchte, denn schließlich würden 75 % des Lufttransportes zivil vergeben und der Rest mit Hilfe des EATC sicher gestellt. Nein. Es sei aber auch klar, dass in den Einsatzgebieten - besonders in Afrika- die Flugplätze häufig kleiner seien als in Europa und man daher auch kleinere Muster bräuchte. Das muss eine neue Erkenntnis sein, denn sonst hätte man ja ein entsprechendes Muster schon mit der Beschaffungsentscheidung für den A400M berücksichtigt.

Sikorsky CH 53

 

Heiße Spekulationen gibt es über das Nachfolgemuster für CH 53 G/GS/GA. 2022 ist der Beginn des Zulaufs geplant. Auf der ILA war nur ein Modell der CH 53 K zu sehen. Dafür hatte Lockheed Martin diverses Fachpersonal - u.a. den Chefingenieur,einen amerikanischen Testpiloten und Bordtechniker - des CH 53 K - Testprogramms mitgebracht, die eingehende Erläuterungen zur Maschine und dem Stand des Projektes boten.
Eine Entscheidung zwischen der CH 47 F, bzw CH 147 F und der CH 53 K wird bis Ende des Jahres erfolgen müssen, wenn man den Zeitplan einhalten will. Im Dunkel blieb auch, wann denn die erforderliche Infrastruktur für ein Nachfolgemuster in Angriff genommen werden soll.

LUH SOF


 

Hier scheint sich ein Erfolg in der Beschaffung anzubahnen. Das Muster ist verfügbar und lediglich die militärischen Zulassungen müssen noch durch das mittlerweile zuständige Luftfahrtamt der Bw realisiert werden. Da schauen wir mal genau hin, wie sich das in der nächsten Zeit entwickelt, denn die Erfolgsmeldungen des LufA sind nicht gerade zahlreich.

EC 135

 

Tapfer wird weiter auf einem Muster geschult, dass es nicht zulässt Autorotationen bis zum Boden durchzuführen. Den in die Jahren gekommenen Helfer in dieser misslichen Situation sieht man rechts im Bild. Mit Ausphasung der BO 105 wird die Entscheidung für einen anderen Schulungshubschrauber nicht weiter aufgeschoben werden dürfen. Das Fachpersonal favorisiert eine EC 145 als Nachfolger. Vielleicht muss man auch darüber nachdenken, die Ausbildung der Heeres- und Marinepiloten mit deutschen Fluglehrern in den USA einzukaufen, denn die geringen Regenerationszahlen rechtfertigen kaum die Existenz eines Hubschrauberzentrums.

 

NH 90

 

Gleich 2 NH 90 bot das Heer für das static display auf.

Sea Lynx

 

Besonders gebeutelt von einer unzweckmäßigen Beschaffungspolitik ist die Marine mit ihren Hubschraubern. Eine Sea-King wurde gar nicht erst gezeigt und auch die Besatzungen der Sea Lynx wissen noch nichts von einer Entscheidung für ein Nachfolgemuster. Während für die Sea King vor dem German Deal der Zulauf des MH 90 noch mit 2018 angegeben wurde, war es nach der Unterzeichnung 2019 und mittlerweile sind wir bei 2021. Der Sea Lynx und ihren Besatzungen scheint das gleiche Schicksal zu drohen.

Tiger und CH 53 GA

Beide Muster wurden durch die Bundeswehr ebenfalls ausgestellt. Leider bin ich aber nur ein bescheidener Handyfotograf und habe daher heute kein Foto für die Interessierten.
Mit freundlicher Unterstützung der Presseabteilung des DBwV gibt es jetzt doch noch weitere Fotos:

 DBwV/Heppner
 DBwV/Heppner
 DBwV/Heppner
 DBwV/Heppner
 DBwV/Heppner
 DBwV/Heppner
 DBsV/Heppner
 DBwV/Heppner

Die durch OTL i.G. Dr. Buch geleitete Zielgruppentagung war gut organisiert und die vertretenen Experten gaben Einblicke und die verschiedensten Bereiche der fliegenden Waffensystem der Luftwaffe. Es wäre wünschenswert, wenn -am besten unter dem Dach des DBwV- die Experten aller TSK, die über fliegende Waffensystem verfügen, in der Zukunft zu einer Konferenz zusammen kommen, an deren Ende eine Resolution an die Politiker aller Parteien stehen könnte.

Der Bundesvorsitzende

 

 

 

03.06.2016

Ein Ärgernis der SAZV ist ausgeräumt. Nachtflug, der aus Wettergründen abgesagt werden muss, zählt mit dem
geplanten Dienstzeitansatz zur Dienstzeit und führt nicht zu Abzügen als Freizeit!

29.04.2016

Die militärische Abo-Falle oder die "von der Leyensche Rollatordivision"

Wie DPA am 29.04.2016 meldet, möchte die Ministerin darüber sprechen, wie in der Bundeswehr Lebenserfahrung
und Berufserfahrung länger gewürdigt werden können. Übersetzt: Ich möchte die Altersgrenzen erhöhen.

Viele kennen aus eigener Erfahrung die Geschäftspraktiken von z.B. Energieversorgern, Mobilfunk- und Pay-TV Anbietern, die Neukunden mit guten Konditionen in das System werben und diese dann mit schlechter werdenden Konditionen ausstatten, wenn die Kunden versäumen rechtzeitig zu kündigen. Für den Vergleich mit dem Arbeitgeber Bundeswehr sollte man daher mal einen Blick werfen auf das, was mit den Bestandssoldaten in den letzten Jahrzehnten so veranstaltet wurde:
Besoldungsanpassungen, die regelmäßig hinter den Abschlüssen in der Wirtschaft zurückblieben, Kürzung der ruhegehaltsfähigen Zulagenanteile, Anhebung der Altersgrenzen (zuletzt 2009 im Dienstrechtsneuordnungsgesetz) usw usw.

Mit der Neuausrichtung der Bundeswehr aus dem Jahr 2010 legte man noch eine Schippe drauf:
Schließung attraktiver Standorte, Reduzierung des Personalumfangs, Schaffung von Pendlerheerschaaren durch Umorganisation und Aussetzung der Wehrpflicht. Als Ergebnis blicken wir heute auf eine Bundeswehr, die nicht einmal in der Lage ist ein Kampfbatallion bereit zu stellen, ohne dass die Batallionsführung Ausrüstung und Ausstattung zusammenleihen muss.

Die Ministerin von der Leyen trat auf den Plan und versprach die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber zu machen. Mittlerweile sieht es eher aus wie eine Weiterführung der Demotivationskampagne. Einzelmaßnahmen im Besoldungsbereich haben gerade mal die Inflationsverluste ausgeglichen, die in anderen Branchen gar nicht entstanden sind. Verbunden mit der Neuausrichtung und der gewollten Personalreduzierung war die entsprechende Gesetzgebung im Bundeswehrreformbegleitgesetz und Strukturanpassungsgesetz. Ziel war unter anderem, die Zahl der Berufs- und Zeitsoldaten auf 170000 zu reduzieren.

Das Ziel wurde durch das BA Pers verfehlt, denn nach den offiziellen Zahlen verfügt die Bundeswehr mit Stand März 2016 über 167310 Zeit- und Berufssoldaten. In dieser Sitaution stellt sich natürlich die Frage, wie kann die Ministerin mehr Personalumfang fordern, wenn nicht einmal die Sollstärke ausgenutzt wird?? Ein kurzfristiges Erreichen der Sollstärke ist durch die bekannte mangelnde Flexibilität der Personalführung eigentlich nur zu erreichen, wenn man die Pensionierungen aussetzt. In dieser Situation wäre aber offensichtlich, wessen Versagen für die Lage verantwortlich ist. Daher suchte man wohl die Möglichkeit einen Schuldigen zu identifizieren.

Das Verwaltungsgericht Köln schien dazu geeignet. Auf die Klage eines Soldaten gegen seine Zurruhesetzung mit Überschreiten der besonderen Altergrenze wurde eine seichte Begründung durch das BAPers geliefert und das Gericht machte sich auch nicht die Mühe in den Materialien nachzulesen, warum die Besondere Altersgrenze für Soldaten im Jahr 1961 eingeführt wurde. (Wer die Begründung nachlesen möchte : BT Drucksache 2391 vom 13.01.1961). Der Klage des Soldaten wurde stattgegeben mit der Begründung, dass das BAPers hätte ausführen müssen, dass das Verbleiben des Soldaten im Dienst die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr gefährde. Nun konnte das BAPers von einem Paradigmenwechsel sprechen und die Besondere Altersgrenze in Frage stellen.

Mit der erneuten allgemeinen Anhebung der Altersgrenzen oder dem Wegfall der Besonderen Altersgrenze würde man den Soldatinnen und Soldaten erneut ein Sonderopfer abverlangen. Soldatinnen und Soldaten, die vor Einführung der gesetzlichen Arbeitszeitregelung mehrere tausend nicht ausgeglichene Überstunden geleistet haben, ohne dafür einen adäquaten Ersatz zu erhalten und sich mit dem Pensionierungszeitpunkt getröstet haben.

Die Bundeswehr hat erhebliche Nachwuchsprobleme und die resultieren zu einem erheblichen Teil daraus, dass die demotivierten Bestandssoldatinnen und -soldaten nicht wirklich Gutes über den Dienstherrn berichten können. Das wird noch zunehmen, wenn die letzten Attraktivitätsmerkmale auch noch fallen und das militärische Personal dem gleichen Schicksal wie die Zivilbeschäftigten (Altersschnitt bei 55 Jahren) entgegen strebt. So wird die Ministerin dann mit der Rollatordivision Spalier stehen können, für den qualifizierbaren Nachwuchs, wenn dieser seine Ausbildung bei VW in Wolfsburg beginnt.

Attraktivität. geht.anders.

Der Bundesvorsitzende

 

 

21.03.2016

Wie bereits in einem Blog angedeutet, beschäftigt sich der InspLw mit einer Zwischenlösung, um die Unzulänglichkeiten im Zusammenhang mit der Auslieferung von A400M aufzufangen. Auf Bundeswehrjournal.de lässt sich nachlesen, dass der Grund für die Überlegungen jedoch nicht die Lieferschwierigkeiten sind, sondern Probleme mit dem Gewicht der Maschine bei Nutzung kleinerer Flugplätze. Als ich mit dem Lachen fertig war, habe ich nach kurzem Überlegen festgestellt, dass in der Lw-Führung ja wohl offensichtlich niemand wusste, wie schwer so ein A400M ist. Oder??
Es bleibt festzuhalten, dass die Forderungen der IGTH  aus dem Jahr 2013 bei NDR Info nach Verschiebung der Transallausphasung und der Beschaffung einer Zwischenlösung nun vom BMVg aufgegriffen wurden. Leider 2 Jahre zu spät, denn auch für die ins Auge gefasste Beschaffung von 10 Herkules Maschinen hätte die Entscheidung parallel zur Verschiebung der Ausphasung der Translall getroffen werden müssen, denn die Verschiebung der Ausphasung kann sich nur 2 Jahre auswirken. Wir schauen also auf ein Fähigkeitsloch in den Jahren 2017/2018. Das wäre vermeidbar gewesen.

Einige wesentliche Punkte aus dem Bereich Drehflügler:

In Sachen Nachfolger für CH 53 wird sich die IGTH nicht an einer technischen Diskussion beteiligen, denn der Standpunkt der IGTH ist schon im Jahr 2011 deutlich kommuniziert worden:
1. Alle Drehflügler unter ein Kommando.
2. Ein Mustermix, der unterschiedliche Fähigkeiten abdecken kann.

Nicht rosiger wird die Lage beim NH 90. Insbesondere für die Marine sind die Erfahrungen, die z.B. die Niederländer mit Korrosion gemacht haben nachteilig, wenn man sich darauf verlässt, dass die MH 90 2019 kommen sollen. (Schaun mer mal )

Aufgegeben hat schon ein Tiger Kunde, der den Ersatz des Waffensystems bereits vornimmt, bevor der Hubschrauber full operational capability erreicht hat.

Die Verschiebung der Ausphasung der Bell UH-1D vermag noch wenige Jahre den SAR-Land Dienst des Heeres sicherstellen. Jedoch brökelt auch hier das Fachpersonal auf der Zeitschiene ab.

Zusammenfassend kann man festestellen, dass die Lage bei Transportflugzeugverbänden und Hubschrauberverbänden der Bundeswehr nie so schlecht war wie jetzt und das niemand dafür Verantwortung  trägt.

Heute fand die erste Verhandlungsrunde der Gewerkschaft Verdi für den öffentlichen Dienst statt. Gefordert werden 6% linear, 100 Euro Anhebung der Ausbildungsvergütung und Laufzeit 12 Monate. Die dritte und vielleicht letzte Verhandlungsrunde ist für den 28.04.2016 vorgesehen.
Der DBwV fordert 4,5 % mindestens 100 Euro ohne Laufzeit. Damit hat er Verdi nicht unbedingt den Rücken gestärkt. Das ist nicht klug.

In diesem Zusammenhang gibt es immer noch Forderungen nach einer Soldatenbesoldungsordnung. Also einer eigenen Besoldungsordnung für Soldatinnen und Soldaten. Ich halte auch diese Forderung für nciht klug, denn das Abkoppeln von Tarifpartnern, die 2 Mio Beschäftigte vertreten führt nicht zu einer Erleichterung bei der Durchsetzung eigener Forderungen. Im Gegenteil.
Ich bin einer Anhänger des Zulagensystems, weil es das einzige Besoldungsinstrument ist, dass in der erforderliche Tiefe die Differenzierung vornehmen kann, die in einer hochspezialisierten Bundeswehr besoldungstechnisch geboten ist. Man muss das Instrument nur konsequent richtig anwenden und finanziell unterlegen. Die jüngsten Anpassungen haben zwar jahrzehntelange inflationsbedingte Verluste verringert, aber beileibe keinen Beitrag zur Konkurrenzfähigkeit der Streitkräfte geleistet, wenn es um die Werbung von qualifizierbarem Nachwuchs geht.

Völlig unverständlich ist auch, dass die Tatsache des Wegfalls bzw der Reduzierung der Ruhegehaltsfähigkeit der Stellenzulage keinerlei Bedeutung bei der Zumessung der Erschwerniszulagenanpassung beim fliegenden Personal hatte. Dazu kommt noch die mangelhafte Anwendung des Personalbindungszuschlags, dessen beabsichtigte Wirkung durch die Vergabepraxis konterkariert wird.

So lange in den maßgeblichen Köpfen kein Umdenken stattfindet, wird sie die Situation bei den Spezialisten in der Bundeswehr nicht verbessern. Und wie sagte doch Gen Klein vom BA Pers:" Wir haben kein Personalproblem, wir haben ein Fachkräftemangel, aber den hat die Industrie auch.
Nun habe ich gedacht, wir bilden unsere Fachkräfte - wie früher - aus dem qualifizierbaren Nachwuchs heran. Das klappt wohl nicht mehr. Weil wir nicht ausreichend qualifizierbaren Nachwuchs bekommen können. Wie nennt man das ? Personalmangel!

Der Bundesvorsitzende

 

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