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07.05.2013

"Wir brauchen mehr unbequeme Menschen"

Dieses Zitat der Theologin Margot Käßmann wird besonders die nicht erfreuen, die bisher davon profitieren, dass Menschen lieber bequem sind und die jetzt vielleicht befürchten müssen, dass mehr Menschen unbequem werden. Aber was ist eigentlich ein unbequemer Mensch? Ein Mensch der keine Ruhe gibt? Der seine Wahrheit wieder und wieder an die Öffentlichkeit trägt? Ein Mensch der Ungerechtigkeit Ungerechtigkeit nennt, ohne Rücksicht, ob von dieser Ungerechtigkeit auch Menschen profitieren? Ein Mensch, der unerschrocken für seine Ideale eintritt? Ein Mensch, der kritisch hinterfragt? Ein Mensch, der sich nur mit Antworten zufrieden gibt, die er auch verstehen kann?

Die Neuausrichtung der Bundeswehr hätte diese Menschen gebraucht. Menschen, die im Sinne des Ganzen aufstehen und hinterfragen. Menschen, die nicht nur Managersprüche klopfen, sondern schlüssig erklären können was, warum und auf welche Weise besser werden kann. Menschen, die an Hand von Rechnungen belegen können, dass Ersparnisse nicht nur behauptet sind. Wo waren diese Menschen?
Am Beispiel des Fähigkeitstransfers lässt es sich aufzeigen, wie der Mangel an unbequemen Menschen den Steuerzahler viel Geld kostet und der gemeinsamen Aufgabe schadet. Mittlerweile ist der Fähigkeitstransfer gegen jeden Rat der Fachleute vollzogen. Die Fehler beginnen sich auszuwirken und man sucht nach "gesichtswahrenden" Lösungen. Und hier wage ich mal wieder eine Prognose:
Niemand wird erwarten, dass man den Transfer zurückdreht. Dabei würde man die verantwortlichen Entscheider der Häme preisgeben, die unsere Fehlerkultur mit Fehlentscheidungen verbindet. ( Es ist schon bezeichnend, dass bei uns solche Entscheidungen maximal "unzweckmäßig" genannt werden.) Nein, man wird alle Kräfte unter ein Kommando bündeln. Aber es jetzt zu tun, käme einem Eingeständnis des Fehlers gleich. Auch nach der Wahl wäre die Situation nicht anders. Was gebraucht wird ist ein zusätzlicher Aspekt: eine neue Lage! Diese neue Lage wird man dadurch schaffen, dass im EP 14 weiter gekürzt wird. Schon hat man einen "gesichtswahrenden" Anlass, zu tun, was man schon 2011 hätte tun müssen. Dass durch diesen (Zitat Wehrbeauftragter) Unfug hunderte von verdienten Besatzungsmitgliedern "entpflichtet" wurden und viele hochqualifizierte Bundeswehrangehörige mittlerweile eher kündigen, als weiter Dienst zu leisten, sollte doch das Gesicht eines Entscheiders auf jeden Fall Wert sein. Oder?

Die Neuausrichtung der Bundeswehr hat-und das nicht nur bei den fliegenden Besatzungen- die Motivation der Bundeswehrangehörigen neu ausgerichtet. Ausgerichtet auf ein historisches Tief. Motivation ist ein offensichtlich bei den Überlegungen zur Neuausrichtung nicht vorkommender Begriff gewesen. Ein Kardinalfehler. Und das bei einer Führung, die reklamiert, den Menschen in den Kern der Überlegungen zu stellen.
Da treten andere Fehler in den Hintergrund, wie z.B. munter Verbände aufzulösen und keinen Gedanken daran zu verschwenden, wo das Material bleiben soll, oder lustig Liegenschaften zu belegen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, woher das Geld für die noitwendige Infrastruktur kommen soll, oder die Sollstärken der Verbände bei nicht nur gleichen, sondern umfangreicheren Aufträgen zu reduzieren, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wie das zu schaffen sein soll, oder den Personalkörper bei immer stärker werdender Spezialisierung zu verkleinern und gleichzeitig der  Notwendigkeit Rechnung tragen zu müssen, dass zum Erreichen der Durchhaltefähigkeit jeder Dienstposten 6-fach abgebildet sein muss..eine Liste, die sich fortführen ließe...
Nun ja...tragen wir als nächstes die Heeresfliegertruppe zu "Grabe" und schauen wir, wer das folgende Opfer der Neuausrichtung wird und.....hoffen wir auf unbequeme Menschen!
Der Bundesvorsitzende




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