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14.7.2010

Reform nach Schema F

Langsam konkretisiert sich das Vorhaben Strukturreform. Wie zu befürchten war, hat man sich ausschließlich durch vermeintliche Einsparpotentiale leiten lassen und das Wort von der Attraktivität der Streitkräfte findet in diesem Zusammenhang nicht statt. Leider ist sogar das Gegenteil der Fall. Für alte Hasen, die schon einige Strukturreformen mitgetragen haben, ist es auch nicht verwunderlich, dass Stationierungsentscheidungen erst nach der Genehmigung der Struktur bekannt gegeben werden sollen.
Es ist aber anhand der vorliegenden Daten leicht eins und eins zusammen zu zählen. Das sollte man dann auch tun. In der Grundsatzrede des BM las ich von Offenheit und dem Erfordernis auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Nun denn, da die entsprechenden Zahlen bereits durch die Medien gegangen sind, einige Folgerungen zu einigen wesentlichen Projekten.
( Die Leser sind zu Kommentaren herzlich aufgerufen )
Eurofighter Tranche 3b ( die Haushaltsmittel Eurofighter waren jedoch schon mit 31 EA aus der Tranche 3a aufgebraucht )
Beschaffung nach wie vor 60 EA  A 400M ( derzeitige Mehrkosten je nach Schätzung 5-11 Mrd Euro )
Produktverbesserung 15 C 160 Transall ( Kosten noch nicht festgelegt )
Tiger: Reduzierung auf 40 EA
NH 90: 80 EA Heer und Luftwaffe
Nun ist an der reinen Minderstückzahl in der Beschaffung kaum ein Einsparpotential zu erzielen, da die Verträge diese Ausstiegsklausel in der Regel nicht enthalten. Es ist im Gegenteil damit zu rechnen, dass sich die Kosten für Ersatzteile und in-service-support deutlich erhöhen. Darüber hinaus wird es spannend sein festzustellen, ob denn nun mit den reduzierten Stückzahlen und dem damit verbunden reduzierten Personalumfang bei den fliegenden Besatzungen sich nunmehr die erforderlichen Flugstunden nach dem NATO-Standard richten. Das bedeutet für z.B. Tiger einen minimalen Flugstundenbedarf von 10800 h pro Jahr. Es bleibt natürlich weiterhin die Option offen, die Besatzungen ohne die Erfüllung der NATO- Minimalforderung als einsatzbereit zu bezeichnen.
Wie berichtet wird, versucht die Luftwaffe die CH-53 zu übernehmen. Mit diesem geschickten Schachzug hält sie den Fuß in der Tür für ein etwaiges Nachfolgemuster , gleichzeitig hat sie aber auch ein Streichresultat bei weiteren Einsparungserfordernissen in der Tasche.Soweit das Vorhaben gelingt, werden die Verbände voraussichtlich geografisch zusammengelegt.
Wackelkandidaten bei den Standorten sind nach meiner Einschätzung :
Roth,Niederstetten,Veitshöchheim, Celle, Rheine,Laupheim,Landsberg (Es sind bewusst nur die Standorte im Interessenbereich genannt )
Nun wird nicht jeder zu den Sommerferien 2011 die Taschen packen müssen, aber bis 2017 sollte das erledigt sein.
Die Anzahl der wegfallenden Dienstposten bei den Luftfahrzeugbesatzungen kann sich jeder selbst ausrechnen. Die Betroffenen, die noch ausreichend Dienstzeit haben, sollten sich intensiv und sehr konkret mit der Frage auseinandersetzen, wie es weitergeht.
Die Art und Weise des Umgangs mit der Strukturreform haben m.E. die Bundeswehr bei vielen Bewerbern als Arbeitgeber disqualifiziert. Das wird weit in die Zukunft reichende negative Auswirkungen haben. Schon jetzt werden die heißumworbenen klugen Köpfe und geschickten Hände nach dem Studium mit der Nachricht überrascht, dass sie keine fliegerische Grundausbildung bekommen, oder wenn sie noch eine erhalten haben, dass sie keine Musterausbildung bekommen, weil man sie schlichtweg nicht mehr braucht. Pech gehabt!
Aber wie gesagt, alte Hasen kennen das schon und es ist immer wieder spannend die Dokumente der Jahre 2002-2004 zu betrachten. Dort steht zu lesen, wie nachhaltig doch die damaligen Standortaufgaben den Bestand der verbleibenden Standorte gesichert haben.

Der Bundesvorsitzende







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